Der Stierkampf in der Camargue.....

....ist nicht eigentlich ein Stierkampf wie man ihn sich vorstellt; ein blutüberströmter Stier mit Speeren im Rücken, ein Kampf der mit dem sicheren Tod des armen Tieres endet. NEIN!

Es ist ein Spiel mit dem Stier

Der Camargue-Stier ist seiner Angriffslust wegen nicht zum Arbeiten auf dem Feld oder zur Fleischproduktion geeignet, aber auch Dank seines Körperbaus wird er in der Arena zu den sogenannten Stierspielen, den Courses de Taureaux eingesetzt. Wir bezeichnen diese Events als sog. "Munelitrybe", obschon die Muneli sehr sehr gefährlich sind und in der Arena den Kämpfer, den Raseteur kurz und klein trampeln und stechen würden.

Die Vorbereitungen

Am Morgen werden die Stiere auf der Weide durch berittene Hirten ausgewählt und via immer enger werdenden Abzäunungen am Ende auf eine Lastwagenbrücke mit Hochgatter getrieben. Dem Stier wird eine Kokarde zwischen die Hörner gebunden und dazu links und rechts unter den Hörnern Eicheln befestigt. Dies passiert auf dem engen Raum im Lastwagen, indem derjenige, der den Stier "präpariert" auf das Hochgatter klettert und "von oben herab" dem Muni die Kokarde und Eicheln anbinden kann. Der Lastwagen fährt zur Arena und parkiert rückwärts zum sog. Toril. Das ist das "Gefängnis" wo der Stier auf seinen Einsatz wartet. Die Hirten sind mir eisernen Dreizackstangen bewaffnet und treiben die Stiere einzen in's Toril. Meist findet am Vormittag ein sogenanntes Abrivado statt. Ein Stier wird ausserhalb des Dorfes aus dem Lastwagen "befreit", jedoch sofort durch berittene Hirten und Hirtinnen mit den Pferden in die Mitte genommen und zur Arena getrieben. Die zahlreich aufmarschierte und interessierte Bevölkerung säumt die Strassen und applaudiert.

Das Spiel

In der Arena versuchen nun die Raseteure, dem Stier die Kokarde, die Eicheln und die Bindfäden abzureissen. Die Erfolgreichen werden durch Prämien belohnt. Das tönt sehr einfach, ist es aber nicht. Die Stiere kommen von verschiedenen Manaden (Höfe) und aus verschiedenen Zuchten. Je nachdem, wie angriffslustig sich ein Stier verhält. oder wie wenig erfolgreich die Raseteure sind, erhält nebst den Raseteuren auch der Besitzer des Stieres Prämien. Eine Nachmittagsvorstellung dauert ca zwei Stunden. Es treten 6 Stiere an und jeder Stier bleibt genau eine Viertelstunde in der Arena. Der Kampf wird genaustens von der "Presidence", dem Präsidenten und zwei Beisitzern überwacht und mittels überlautem Lautsprecher kommentiert.

Das Spektakel

Ein erster langer Trompetenstoss kündigt den Stier an. Er kommt aus dem Toril und sucht sich "sein Quartier", meist eine Stelle in der Arena, von wo aus er sich verteidigen kann. Der Speaker nennt den Namen und die Zucht des Stieres und die Höhe der Prämien für Kokarde und Eicheln. Nach einem zweiten kurzen Trompetenstoss dürfen die Raseteure den Stier provozieren. Das passiert zuerst durch den sog. Tourneuer, ein ehemaliger Raseteur. Er lenkt durch Rufe und Gesten die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich, um den Stier gut zu platzieren und um so den Kampf für den Raseteur vorzubereiten. Im richtigen Moment läuft der Raseteur los und der Stier greift an. Nach einem meist kurzen Lauf kreuzen sich die Wege von Stier und Raseteur, welcher nun versucht mit Hilfe eines kleinen mit Haken versehenen Werkzeuges, dem Rechen, dem Stier die Kokarde zu entreissen, was meistens nicht auf Anhieb gelingt. Der Rasteur sucht sein Heil in der Flucht und springt über die massiven, roten Barrikaden über den dahinterliegenden Graben an die Zuschauerabsperrung hinauf. Dorthin schafft es der Stier nicht, wohl aber der Raseteur, denn das sind durchtrainierte, junge Burschen. Der Stier stösst an die Barrikaden oder springt darüber und erhält dadurch ein sogenanntes Carmen, eingespielte Musik aus der Ouvertüre der Oper Carmen. Nach 15 Minuten beendet ein dritter Trompetenstoss das Spiel, und der Stier wird in's Toril zurückgetrieben. Von dort geht es wieder in den Lastwagen und am Abend zurück auf die Weide.

Der Schluss des Events bildet das sogenannte Bandido, wo "weniger gefährliche" Stiere eingefasst durch berittene Hirten durch die Strassen des Dorfes getrieben werden.

Bedeutung

Die Bedeutung der Courses de Taureau für das Volk in der Camargue kann mit dem schweizerischen Schwingen, Hornussen, oder Jodeln verglichen werden. Es hat grosse Tradition und die im Frühling und Herbst praktisch wöchentlich stattfindenden Courses werden von hunderten von Zuschauern besucht. Jedes Dorf in der Camargue hat seine Arena in der Grösse eines halben Fussballfeldes, umrundet von offenen Zuschauertribünen und einem Kassahäuschen. Der Eintritt zu einem Spiel beträgt 10 bis 20 Euros pro Person.

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